Toter Winkel

Servicewüste oder Abenteuer einkaufen in der Innenstadt

Stärke den örtlichen Handel und schone gleichzeitig die Umwelt, weil kein Lieferdienst bemüht werden muss.
Eine Bitte, die man immer wieder liest und hört, wenn es um das Sterben der Innenstädte und deren Geschäfte geht.
Gut, dachte ich, setzt du dich aufs Rad, fährst in die Innenstadt und kaufst im Kaufhof.

Pferde im Weißer Bogen
Weide im Weißer Bogen

Wie immer habe ich den langen Weg durch den Weißer Bogen gewählt.
Das hat den Vorteil, dass ich nicht nur was für die Gesundheit getan habe, sondern gleichzeitig für die Seele.
Am Kaufhof angekommen, sogar noch einen leeren Fahrradbügel gefunden, an den ich mein Fahrrad anketten konnte. Das ist selten, denn hier gibt es viel zu wenige Fahrradabstellmöglichkeiten. Aber ich war früh dran.

Die Orientierung im Kaufhof ging schnell, denn die Ausschilderung an der Rolltreppe war eindeutig.
Also hoch in den 2. Stock! Dort gab es Schlafanzüge und Unterhosen im Angebot. Beides wollte ich kaufen.

In der Abteilung zwar das ausgestellte Prospekt mit den Angeboten zu sehen, aber die Angebote nicht. Fragen konnte ich nicht, denn kein Personal in Sichtweite.
Mir fiel der Scherz mit den Baumarktverkäufern ein, die als Kind gerne Klingelmännchen gespielt hatten und sich so in Windeseile verstecken konnten, wenn ein Kunde in den Laden kam.
Pures Vorurteil, denn meine diesbezüglichen Erfahrungen sind eindeutig anders.

Nach einigem Suchen hatte ich die Unterhosen gefunden. Sogar noch zwei in meiner Größe.
Nur gut, dass ich vorher im Internet auf die Herstellerseiten geschaut hatte und so wusste, welche Größe ich benötigte. Hier war weit und breit keine Größentabelle zu sehen. Beratung oder Hilfe hatte ich durch einen Verkäufer nicht.
Die Schlafanzüge habe ich ebenfalls gefunden und nach längerem Suchen auf dem »Wühltisch« auch die passende Größe gefunden. Mit dem Design konnte ich leben, auch wenn es nicht das war, was ich mir im Prospekt ausgesucht hatte.
Die Kasse war nach einer dreiviertel Drehung um die eigene Achse auch schnell gefunden.

Als ich ankam, wartete dort schon eine Dame. Personal in Form eines Kassieres war nicht zu sehen.
»Warten Sie schon lange?«, fragte ich.
»Ein paar Minuten.«
Nach weiteren fünf Minuten Wartezeit wurde ich ungeduldig und schaute mich in der näheren Umgebung der Kasse nach einer Bedienung um. Nichts zu sehen.
Ich zog mein Handy aus der Tasche, als die Dame sagte: »Ich suche mal eine Verkäuferin!«
»Ich werde die Telefonnummer im Internet suchen und Anrufen, dass wir hier warten. Mal sehen, wer schneller ist.«
Eine weitere Frau kam an diese Kasse und reihte sich in unsere kurze Schlage ein.
»Niemand da? Dort hinten standen drei Verkäuferinnen und haben sich unterhalten. Die habe ich schon gestört, als ich sie nach dem Artikel fragte!«
Inzwischen stand ich eine gute Viertelstunde an der Kasse, als die Dame zurückkam und eine Verkäuferin im Schlepptau hatte.

Als ich an die Reihe kam, scannte sie die erste Unterhose.
»Der Preis stimmt nicht, diese Unterhose ist im Angebot!«, sagte ich.
»Dann müssen Sie zurück in die Abteilung und das dort klären. Ich darf nichts machen.«
»Es ist nicht Ihr ernst, dass sie mich jetzt in die Abteilung schicken wollten, in der ich vorhin schon keine Bedienung finden konnte. Rufen Sie doch einfach in der Abteilung an und bitten sie jemanden hier vorbeizukommen.«
»Das geht nicht!«
»Dann lasse ich Ihnen die Unterhose hier!«

Das ist ein Service!

Als sie die beiden anderen Dinge eingescannt hatte, fragte sie, wie ich bezahlen wollte.
»Mit ApplePay.«
»Wie wollen Sie zahlen?«
»Mit ApplePay.« Schon etwas ungeduldiger.
»Das kenne ich nicht, da muss ich jemanden fragen!« Und weg war sie.

Meine Geduld war aufgebraucht, also verließ ich den Laden. Noch auf dem Weg nach draußen, rief ich die Hotline an und landete, wie konnte man es anders erwarten, in der Warteschleife. Sechs Minuten tat ich mir das an, dann legte ich auf.

Service-Wüste nenne ich das. 

Das war das zweite Erlebnis dieser Art in einer Woche.
Da war es Karstadt-Sports, wo innerhalb von zwanzig Minuten kein Verkäufer in die Fahrradabteilung kam. Vorher ein ähnliches Erlebnis bei SportScheck.

Habe mir nun das, was ich kaufen wollte, im Internet bestellt und bekomme es morgen kostenfrei geliefert.
Soll mir noch einer erzählen, die Online-Käufer seien am Sterben der Geschäfte schuld.

Der fehlende Service sorgt dafür, dass die Geschäfte sterben!

Zurück bin ich dann noch bis zum Niehler Hafen gefahren und dann nach Hause. Es war einfach viel zu schönes Radfahrwetter! 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.