Toter Winkel

Hinten habe ich keine Augen!

Ich war fast am Ende meiner täglichen Radtour, als ich schon von Weitem sah, dass ein Lieferwagen mit Hänger auf dem Radweg entgegenkam. Sicherlich eine Materiallieferung für das Sürther Bootshaus, dachte ich.
Weit vor mir ein kleine Gruppe Radfahrer, die abstiegen, als der Lieferwagen auf sie zu kam.
Kurz darauf passierte ich den Lieferwagen, der so weit rechts fuhr, dass das sogar ohne die Spiegel einzuklappen möglich war.

Ich fuhr weiter und wollte gerade die Gruppe überholen, die abgestiegen war, als ein älterer Herr aufs Fahrrad stieg und losfuhr.
Er zog dabei so weit nach links, dass ich recht beherzt bremsen musste, um nicht mit ihm zu kollidieren. 

Im Vorbeifahren sagte ich zu ihm:»Erst gucken, dann fahren!»
«Hinten habe ich keine Augen!», kam die Antwort prompt.
«Dann den Kopf drehen! Wenn das nicht mehr geht, nicht mit dem Rad fahren!»

Dann war ich vorbei. 

Es scheint inzwischen Standard zu sein, einfach loszufahren oder loszugehen, ohne auch nur ansatzweise geschaut zu haben, ob das überhaupt möglich ist.
Noch schlimmer ist es, wenn dabei aufs Handy geschaut wird. 

Härteste Stufe auf dem Radweg, die ich bisher erleben musste: Eine Frau geht mit zwei Hunden. Einen hat sie an der Leine, der andere läuft irgendwo hinter ihr. Sie schaut aufs Handy. Der Hund läuft natürlich, ich hatte es schon erwartet und fuhr entsprechend langsam und bremsbereit, direkt vor mir auf die andere Seite.

«Können Sie auf Ihren Köter nicht aufpassen, statt aufs Handy zu glotzen!», machte ich mir Luft. Schon als ich es ausgesprochen hatte, tat es mit schon leid, weil das nicht eine Art ist, mit Menschen zu sprechen.

Ihr schien das allerdings am Allerwertesten vorbeizugehen, denn sie sah nicht mal vom Handy auf.

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